HNA-Ausgabe vom 28.03.2007

Bahnhof auf dem Abstellgleis

Anlage in Grifte in desolatem Zustand - Strecke nach Kassel hat zu wenig Fahgäste

BAUNATAL/EDERMUNDE.

Der Grifter Bahnhof ist in einem miserablen Zustand. Der Zugang für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen ist durch die Unterführung nahezu unmöglich. Jetzt hat die Deutsche Bahn auch noch das Dach über dem Bahnsteig entfernen lassen. Aus Sicherheitsgründen. Ein neues sei nicht geplant. Die Kosten stünden in keinem Verhältnis zu den Fahrgastzahlen, argumentierte die DB-Infrastruktur.
Für viel Unmut bei den Menschen, besonders bei Pendlern, sorgen aber auch die Bahnhöfe Guntershausen und Rengershauen an derselben Strecke nach Kassel. Ab Sommer fährt auf dieser Strecke auch die Regiotram. In Grifte werden die Regiotram-Züge allerdings nur am Wochenende halten, berichtet Edermündes Bürgermeister Karl-Heinz Färber. "Schade, denn wir bräuchten sie unter der Woche." Der NVV werde wie die Bahn in den kommenden Jahren wahrscheinlich auch kein Geld in den Bahnhof investieren, sagt Färber.

Ursache und Wirkung
An den Bahnhöfen Grifte, Guntershausen und Rengershausen steigen zu wenig Fahrgäste ein: Der Grifter Bahnhof ist beispielsweise in der Kategorie sechs eingestuft. Der niedrigsten Kategorie und somit bei Investitionen abgekoppelt. 100 Fahrgäste täglich nutzen derzeit im Schnitt den Bahnhof. Das sei auch eine Frage von Ursache und Wirkung, sagt Färber. Ein Bahnhof wie der in Grifte sei alles andere als attraktiv für Kunden.
"Es ist nicht so, dass wir große Bahnhöfe bevorzugen", sagt Bernd Honerkamp. Der Sprecher der Bahn ist zuständig für Hessen. Aber es gebe Anforderungen: Barrierefrei werde ein Bahnhof beispielsweise erst ab 1000 Ein- und Aussteigern umgebaut. Grifte liege mit unter 200 täglich in einer der untersten Kategorien. Fahrpläne seien dagegen ein Mindeststandard aber auch häufig Ziel von Vandalismus. "Diese hängen nicht immer gleich am nächsten Tag", räumt Honerkamp ein.

Grifte
Unzumutbar
Karl-Heinz Färber, Edermündes Bürgermeister, findet drastische Worte: "Es ist eine Unverschämtheit der Bahn, Dienstleitungen auf so einem Niveau anzubieten." Ältere Menschen und Rollstuhlfahrer von der Personenbeförderung auszuschließen, sei diskriminierend. Die Gemeinde fordere schon länger ein Außengleis, welches ohne die Unterführung zu erreichen ist. Sitzbänke und eine Uhr fehlen genauso wie die Auskunftspläne der Bahn. Einfach unzumutbar, sagt Färber.

Guntershausen
Unmöglich
Fahrpläne und eine Uhr gibt es in Guntershausen. Eigentlich auch ein Bahnhofsgebäude. Das ist allerdings verschlossen. Unmöglich sei das, sagt Dr. Klaus-Peter Lorenz. Er ist Vorsitzender des SPD-Ortsvcreins und Bahnexperte. Die Mitarbeiter der Bahn seien in einen Container ausquartiert, aus Kostengründen, wie er erfahren hat. Diese haben immerhin eine Toilette. Fahrgäste urinieren in die Unterführung. Es bleibe ihnen nichts anderes übrig, wenn der Zug mal wieder nicht kommt, so Lorenz.

Rengershausen
Ungenutzt
Der NVV hat neue Warteunterstände gebaut und eine Fußgängerbrücke über die Anlage. Dennoch nutzten immer wieder Fahrgäste den direkten Weg über die Gleise, berichtet Dr. Klaus-Peter Lorenz, Bahnexperte aus Guntershausen. Ein Zaun würde dort Abhilfe schaffen, um ein Unglück zu verhindern. Er sei als Kommunalpolitiker gegen die unzumutbaren Zustände in Guntershausen und früher zum Teil auch in Rengershausen Sturm gelaufen, in Guntershausen bisher ohne Erfolg, (ddd)

Die Bahn
Unzureichend
In Grifte und Guntershausen steigen täglich weniger als 200 Personen ein und aus. In Rengershausen sind es weniger als 100. Trotz der geringen Fahrgastzahlen werde investiert. In Guntershausen soll die Unterführung verlängert werden, sodass die Außengleise besser zu erreichen sind. In Grifte soll ein Außengleis gebaut werden. Dann können Fahrgäste in Richtung Kassel einsteigen, ohne durch die Unterführung zu müssen. In der Gegenrichtung bleibe ihnen das nicht erspart.

Redakteur Damai Dewert